Naturfotograf Gian-Reto Zanetti (Balgach) haucht mit seinen einzigartigen Fotos den Behandlungsräume von DiepoldZahn einen entspannenden, naturverbundenen Spirit ein.

Wir haben Gian-Reto zu seiner grossen Passion befragt:
Gian-Reto, kannst du dich kurz vorstellen?
Vor 45 Jahren bin ich im Engadin geboren, seit 25 Jahren im St. Galler
Rheintal zu Hause, verheiratet und Vater von drei Kindern.
Fotografisch bin ich seit über 15 Jahren während unzähliger Stunden auf der
Suche nach dem besonderen Licht. Ich liebe es, das Licht als
Gestaltungsmittel einzusetzen. Es schafft Stimmungen, hebt Details hervor
und verleiht meinen Bildern Tiefe.
Persönlicher Bezug zur Natur: Warum fotografierst Du Blumen und Natur?
Die Natur ist für mich ein Ort der Ruhe. Draussen unterwegs zu sein bedeutet
für mich, den Alltag hinter mir zu lassen, die Natur bewusst wahrzunehmen
und ganz im Moment anzukommen.
Erst wenn ich diese Ruhe selber spüre, ein passendes Motiv gefunden habe
und das Licht stimmt, kann ein Bild entstehen, wie ich es vor meinem inneren
Auge sehe.
Mit meinen Natur- und Landschaftsbildern möchte ich genau diese Ruhe
sichtbar machen – nicht laut oder spektakulär, sondern fein, zurückhaltend
und geprägt von dem Licht, das einen Moment besonders macht. Die
meisten meiner Bilder entstehen in den frühen Morgen- oder späten
Abendstunden. Ich möchte Stimmungen zeigen, die vielen Menschen im
Alltag verborgen bleiben.
Bildwirkung in der Praxis: Was sollen Deine Fotos bei Patientinnen und
Patienten auslösen?
Ich wünsche mir, dass meine Bilder den Patientinnen und Patienten gut tun.
Vielleicht laden sie dazu ein, für einen Moment innezuhalten, den Blick
schweifen zu lassen oder einfach etwas Ruhe zu finden.
Genauso wünsche ich mir aber auch, dass sie Freude bereiten – sei es an den
Farben, am Licht oder an den kleinen Wundern der Natur, die im Alltag oft
ungesehen bleiben. Wenn ein Bild einen Menschen für einen kurzen
Augenblick berührt oder ihm ein Lächeln schenkt, dann bedeutet mir das sehr
viel.
Künstlerischer Prozess: Wie entstehen Deine Aufnahmen?
Ich glaube, meine wichtigste Eigenschaft als Fotograf ist meine Geduld. Ich
nehme mir Zeit, beobachte und warte, bis meine innere Ruhe, Motiv und
Licht zusammenpassen. Manchmal dauert das nur wenige Minuten, oftmals
brauchte es aber mehrere Besuche am selben Ort.
Der eigentliche Moment des Auslösens ist oft der kleinsteTeil des Prozesses.
Das Bild entsteht für mich schon lange vorher.
Blick des Fotografen: Worauf achtest Du bei Komposition, Licht und Detail?
Für mich beginnt jedes Bild mit dem Licht. Es entscheidet, ob eine Aufnahme
funktioniert kann oder nicht. Ich nehme mir Zeit, beobachte und warte, bis
Licht, Motiv und Stimmung für mich zusammenpassen.
Dabei versuche ich, das Bild möglichst einfach zu halten. Ich möchte den
Blick auf das Wesentliche lenken und der Natur ihren Raum lassen. Oft sind
es die kleinen Details oder eine besondere Lichtstimmung, die aus einem
schönen Motiv ein stimmiges Bild machen.
Lieblingsmotiv: Gibt es eine Blume oder ein Bild mit besonderer Bedeutung?
Wenn ich mich für eine Blume entscheiden müsste, dann wäre es das
Leberblümchen. Jedes Frühjahr freue ich mich auf die ersten Blüten und
darauf, sie im weichen Morgen- oder Abendlicht zu fotografieren.
Mich fasziniert, wie etwas so Kleines und Zartes eine so grosse Wirkung
entfalten kann. Vielleicht steht das Leberblümchen auch deshalb
stellvertretend für das, was ich mit meiner Fotografie zeigen möchte: die
Schönheit der kleinen Dinge, die im Alltag oft ungesehen bleiben.

Gibt es ein Bild aus dieser Serie, das Dir persönlich besonders am Herzen
liegt?
Eigentlich nicht. Mit jedem Bild verbinde ich Erinnerungen an den Moment,
in dem es entstanden ist.
Wenn ich trotzdem eines auswählen müsste, wäre es das Leberblümchen. Es
vereint vieles, was meine Fotografie ausmacht: Ruhe, Geduld, das besondere
Licht und die Schönheit der kleinen Dinge, die im Alltag verborgen bleiben.
Was unterscheidet ein schönes von einem wirklich ausdrucksstarken
Blumenbild?
Ich glaube nicht, dass ich dafür eine allgemeingültige Antwort habe. Was ein
Bild ausdrucksstark macht, empfindet jeder Mensch anders.
Mich berühren Bilder, die eine Geschichte erzählen und eine Stimmung
vermitteln. Wenn Licht, Motiv und der richtige Moment zusammenkommen,
entsteht etwas, das über das reine Abbild einer Blume hinausgeht. Ob ein
Bild diesen Ausdruck hat, entscheidet am Ende aber immer der Betrachter.
Gibt es einen speziellen, geheimen Ort in der Natur der dir besonders viel
Kraft spendet?
Ja. Für mich ist das der Rheinspitz am Bodensee mit dem Baum im Wasser.
Ich kehre immer wieder dorthin zurück. Natürlich hoffe ich jedes Mal auf
besonderes Licht und ein neues Bild. Manchmal passt dann alles zusammen
und es gibt ein neues Bild, manchmal aber auch nicht. Und auch wenn kein
Bild entsteht, geniesse ich den Ausflug. Die Ruhe beim Spaziergang durch
den Wald und der anschliessende Blick über den See – das ist für mich ein
richtiger Kraftort.
Gibt es ein Erlebnis aus Deiner Arbeit, dass Deine Sicht auf Naturfotografie
geprägt hat?
Es gibt nicht das eine Erlebnis, das meine Sicht auf die Naturfotografie
geprägt hat. Meine Art der Naturfotografie hat sich vielmehr über viele Jahre
und unzählige Stunden draussen entwickelt.
Mit der Zeit habe ich gelernt, genauer hinzuschauen und geduldiger zu
werden. Heute weiss ich, dass ich ein Bild nicht erzwingen kann. Oft braucht
es mehrere Besuche an einem Ort bis Licht, Stimmung und Motiv für mich
zusammenpassen.
Wo kann man dich am ehesten im Raum Diepoldsau bei der Arbeit finden?
Eigentlich findet man mich dort, wo das Licht gerade besonders ist. Hier in
der Region ist das oft am Alten Rhein, im Balgacher Riet oder am Bodensee.
Am liebsten bin ich früh am Morgen oder am späteren Abend unterwegs.
Dann finde ich oft die Lichtstimmungen, nach denen ich suche.
Was sind deine nächsten Projekte oder Ideen?
Ein Projekt, das mich akutell und in den nächsten Jahren intensiv begleiten
wird, ist ein Fotoprojekt mit dem Titel «der rhein – leise» – meine
künstlerische Auseinandersetzung mit dem Alpenrhein.
Mich fasziniert, wie sich der Rhein auf seinem Weg ständig verändert – durch
das Licht, die Jahreszeiten und seinen Charakter. Diesen Wandel auf meine
Art fotografisch zu interpretieren, ist für mich der Reiz dieses Projekts.
